Eine Welt ohne Touchscreen? Steinzeit!

Stellen Sie sich vor, Sie werden gefragt, in welchen Bereichen sich der Touchscreen etabliert hat. Bestimmt könnten Sie darauf antworten, aber die Liste wäre lang, sehr lang. Viel einfacher wäre zu fragen, in welchen Bereichen der interaktive Bildschirm sich noch nicht durchgesetzt hat? Hier wäre die Liste kürzer!
Aus dem alltäglichen Leben ist er gar nicht mehr wegzudenken. Egal ob im Smartphone oder am Tablet, im Fahrzeug oder beim Ticketautomaten der Deutschen Bahn, selbst moderne Laptops oder medizinische Geräte werden mit den leichten Berührungen bedient und mittlerweile werden ganze Häuser über Touch-Systeme gesteuert. So könnte die Liste ewig weitergehen, jeder kennt weitere Einsatzbereiche der Bildschirme, doch wäre es nicht viel interessanter zu wissen, wie sie Funktionieren?

Um das zu erklären, muss man in der Zeit etwas zurückgehen und die drei wichtigsten Touchscreen Systeme kurz erläutern. Denn die Bildschirme sind keine moderne Erfindung. Die berührungsempfindlichen Oberflächen gibt es schon seit den 1970er-Jahren.

Die meisten Bildschirme damals waren „Resistiv“. Dieses Wort wird vom englischen „resistance“ abgeleitete und bedeutet „Widerstand“. Diese Bildschirme reagieren auf Druck. Mit leichtem Abstand liegen zwei Schichten aus Polyester und Kunststoff übereinander und werden mit Abstandhaltern voneinander getrennt. Übt man nun mit dem Finger oder einem andern Gegenstand Druck aus, berühren sich die zwei Schichten und die Position des Fingers kann ermittelt werden. Diese Technologie wird allerdings heute nur noch selten verbaut.

Bei professionellen Einsätzen kommt überwiegend der induktive Touchscreen zum Einsatz. Dieser kann nur mit einem speziellen Stift oder auch Digitizer bedient werden. Hier wird in die Spitze des Stiftes eine Spule eingebaut, an die eine elektronische Spannung gelegt wird. Zusätzlich gibt das Display ein elektromagnetisches Feld aus und die Spule im Stift und der Bildschirme tauschen Informationen aus. So kann die Position des Stiftes genau bestimmt werden, selbst wenn die Oberfläche des Gerätes verschmutzt oder Nass ist.

Das meistbenutzte System der modernen Technologie ist das „kapazitive“ Touchscreen System. Dies ist in den gängigen Geräten wie Smartphone, Tablet oder Laptop verbaut und das aus gutem Grund. Zur Ermittlung der Position des Fingers ist unter der Glasoberfläche ein zweischichtiges Koordinatennetz aus Elektroden aufgebaut. An das Netz wird eine Wechselspannung angelegt und an den Kreuzpunkten der zwei Netze wird ständig die Spannung gemessen. Wird nun ein Finger auf das Display gelegt, verändert sich diese Spannung und die Position kann von einem Computerchip ermittelt werden. So können auch mehrere Berührungspunkte gleichzeitig registriert werden und Multi-Touch Funktionen sind möglich. Besonders hilfreich bei Smartphones und Tablets. Jedoch hat diese Technologie auch Nachteile. Zum einen ist das System kostenintensiver als andere und durch die dauerhaft anliegende Spannung werden auch andere leitende Gegenstände vom Display erkannt. Dies kann die Bedienung besonders bei Nässe erschweren. Zusätzlich funktioniert das Bedienen mit dicken Handschuhen im Winter nicht, da diese nicht leiten.

Jetzt verstehen Sie nicht nur, wie Ihr Touchscreen funktioniert, sondern auch, weshalb er im Regen manchmal nicht funktioniert. Doch die Technologie entwickelt sich immer weiter und vielleicht gibt es auch schon bald eine Lösung für dieses Problem.

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